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    Umfrage: Das sagen Emittenten über die ersten 3 Monate MAR

    Seit dem 1. Juli 2016 ist die EU-Marktmissbrauchsverordnung (Market Abuse Regulation – kurz MAR) in Kraft. Wir haben börsennotierte Unternehmen in Deutschland befragt: Wurden die richtigen Maßnahmen getroffen, um für mehr Transparenz und Anlegerschutz an den EU-Kapitalmärkten zu sorgen? Oder schießen die Regelungen über das Ziel hinaus? Die Meinungen gehen weit auseinander – so viel gleich vorweg. Klar ist, dass nach gut 3 Monaten MAR noch viele Fragen offen sind.

    9 von 10 Unternehmen wünschen sich mehr Unterstützung durch Aufsichtsbehörden

    9 von 10 Unternehmen wünschen sich von den Aufsichtsbehörden mehr Hilfe dabei, die neuen Anforderungen umzusetzen – z. B. in Form von Leitfäden oder FAQs. Gerade einmal  2 % der Teilnehmer unserer Umfrage können auf solche Unterstützung verzichten.

    48 % der Befragten sind überzeugt, MAR-Regelungen schießen über das Ziel hinaus

    Den organisatorischen Aufwand, den MAR mit sich bringt, bezeichnen 52 % der Unternehmen als „erheblich“. Weitere 46 % sehen einen „gewissen Mehraufwand“.

    Mehraufwand für Unternehmen durch MAR

    Mehraufwand für Unternehmen durch MAR

    Alarmierend ist jedoch, dass gerade einmal 9 % der Emittenten den Umfang von MAR für angemessen halten, um mehr Transparenz am Kapitalmarkt zu schaffen. 48 % kritisieren, dass die Regelungen weit über das Ziel hinausschießen. Weitere 9 % bemängeln, dass die Maßnahmen gar an den Themen vorbeigehen.

    „Überzogene Bürokratie, die womöglich kleinere Firmen von Börsenlisting abhält“

    Gerade kleinere Emittenten werden sich nicht den Risiken von Fehlern bei der Anwendung von MAR aussetzen wollen, mutmaßt ein Teilnehmer der Studie. Fakt ist, dass es 2016 am deutschen Markt bereits mindestens 10 Delistings gab, die mit dem erhöhten Aufwand durch MAR begründet wurden. Jedes 5. der befragten Unternehmen aus dem Freiverkehr hat aufgrund der Marktmissbrauchsverordnung ein Delisting erwogen. Neben dem verschärften Strafenkatalog spielt hierbei sicher auch die fehlende Klarheit der MAR-Verordnung eine Rolle.

    MAR-Reglungen lassen zu viel Interpretationsspielraum

    Über 80 % der Emittenten (auch aus dem regulierten Markt) sehen einen zu großen Interpretationsspielraum in den Gesetzestexten. 14 % stimmen der Aussage „ich habe Schwierigkeiten einzuschätzen, ob eine Information in meinem Unternehmen eine Insiderinformation ist oder nicht“ „voll“ zu und 41 % mit Einschränkungen („Stimme eher zu“). Nur 23 % meinten „eher nicht“ bzw. „überhaupt nicht“ (3 %).

    MAR-Schwierigkeit bei der Erstellung von Insiderlisten-DE

    Schwierigkeit bei der Erstellung von Insiderlisten

    Die Unsicherheit zeigt sich z. B. im Umgang mit vorläufigen Zahlen, die erheblich über oder unter der Prognose liegen. Während 39 % der Emittenten direkt eine Ad-hoc-Mitteilung veröffentlichen würden, schieben 20 % diese auf, bis die Zahlen verifiziert sind.

    Zu viel Interpretationsspielraum für Gesetzestexte

    Zu viel Interpretationsspielraum für Gesetzestexte

    Auch die Archivierung der unterschriebenen Belehrungsschreiben der den Führungskräften nahestehenden Personen ist für viele nicht klar geregelt. Bei 47 % übernehmen das die Führungspersonen selbst, bei 53 % das Unternehmen.

    Insider ist nicht gleich Insider

    Unklarheit herrscht auch bei der Unterscheidung zwischen permanenten und projektbezogenen Insidern (47 %) sowie bei der genauen Festlegung des Startzeitpunktes eines Insiderprojektes (67 %). Zudem stoßen die Emittenten auf Widerstand bzw. Unverständnis, wenn sie die nach MAR erforderlichen, persönlichen Daten abfragen.

    Aussagen zur Führung von Insiderlisten

    Aussagen zur Führung von Insiderlisten

    Fazit

    Die Umfrage zeigt, dass die meisten Emittenten MAR in der Praxis als erschwerend empfinden. Die nationalen Aufsichtsbehörden wie BaFin und FMA sollten Unternehmen daher schnell helfen – z. B. mit überarbeiteten Leitfäden. So kann eine einheitliche Umsetzung der Regelungen gewährleistet und damit tatsächlich mehr Transparenz an den EU-Kapitalmärkten geschaffen werden.

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    Released:
    October 28, 2016
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    Updated:
    October 28, 2016