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    Auch nach fast 3 Jahren MAR: Emittenten sehen weiterhin Aufklärungsbedarf

    Wie sind die Erfahrungen der Emittenten nach über zweieinhalb Jahren MAR? Und wie sieht die Best Practice beim Führen der Insiderlisten aus? Wir haben bei unseren Kunden nachgefragt.

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    Viele Unternehmen fremdeln weiterhin mit der EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR), die neben dem Umgang mit Insidern auch die Veröffentlichung von Insiderinformationen sowie Eigengeschäfte von Führungspersonen regelt.

    „Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt“, ist einer der Kommentare zur MAR in unserer Kundenumfrage, die wir bereits zum dritten Mal unter Aktien- und Anleiheemittenten in Deutschland und dem Vereinigten Königreich durchführt haben.

    Von den 50 deutschen Teilnehmern, die den EQS-Fragenkatalog beantwortet haben, sind zwei Drittel der Unternehmen im regulierten Markt notiert, ein Drittel der Teilnehmer im Freiverkehr.

    Weiterhin mangelnde Akzeptanz der Marktmissbrauchsverordnung bei den Emittenten

    Die teilweise immer noch fehlende Akzeptanz wird auch bei der Frage, ob die MAR zu einer generellen Verbesserungen der Transparenz und der Compliance-Praktiken geführt hat deutlich: Fast die Hälfte der Befragten (46 %) sieht hier eher Verschlechterungen; weitere 23 % haben überhaupt keine Auswirkungen ausgemacht, was auch eher negativ zu bewerten ist. Gerade einmal ein knappes Drittel der Emittenten (31 %) steht in diesem Punkt hinter den EU-Regelungen – allerdings nur mit Einschränkungen. Die volle Zustimmung war gleich null.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Verbesserung Transparenz und Compliance-Praktiken

    Wohl auch, weil sich immer noch keine einheitliche Best Practice bei der Umsetzung etabliert hat – vor allem bei dem Schwerpunktthema Insiderlisten, die zu 62 % von den Investor-Relations-Verantwortlichen geführt werden. Bei den anderen Emittenten ist das Thema beim Vorstand bzw. der Vorstandsassistenz (33 %) sowie den Bereichen Legal (28 %) und Compliance (15 %) aufgehängt – oder bei mehreren der genannten Bereiche (deshalb waren hier auch Mehrfachnennungen möglich).

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Wer pflegt Insiderlisten

    Jeder Zweite wünscht sich mehr Unterstützung von BaFin & Co

    Beim Thema Insiderlisten wünscht sich weiterhin jeder zweite Umfrageteilnehmer mehr Unterstützung von den Aufsichtsbehörden, beispielsweise durch FAQs. Das kommt nicht ganz überraschend, da der vollständig aktualisierte Emittenten-Leitfaden der BaFin, der bei Inkrafttreten der MAR angekündigt wurde, immer noch auf sich warten lässt. So fühlen sich gerade einmal 4 % der Umfrageteilnehmer von den offiziellen Stellen gut über die Anforderungen bezüglich des Führens der Insiderlisten informiert, ein Drittel stimmt hier immerhin bedingt zu.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Information durch offizielle Stellen

    Die Antworten zeigen, dass verschiedene Sachverhalte angesichts der im Raum stehenden drakonischen Strafen für große Unsicherheit sorgen. Der Aussage „Ich habe Schwierigkeiten zu bewerten, ob es sich bei bestimmten Informationen um Insiderinformationen handelt“ stimmten 16 % voll und 32 % mit Einschränkung zu. Nur 8 % sehen hier kein, 37 % nur ein geringes Problem.
    Noch schwerer scheint es für die Emittenten zu sein, den Startzeitpunkt eines Insiderprojektes festzulegen. Nur für 3 % ist dies zweifelsfrei möglich, 26 % setzen hinter dem exakten Zeitpunkt nur ein kleines Fragezeichen. Dagegen hat mehr als ein Viertel hier große Schwierigkeiten, weitere 38 % sind unsicher.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Schwierigkeiten bei Bewertung von Insiderinformationen

    Ein kleiner Tipp für Emittenten: Im Zweifel könnte auch ein Blick in den DIRK-Guide zum Marktmissbrauchsrecht weiterhelfen.

    Insider-Management: Zwei Drittel setzen auf eine Spezialsoftware

    Doch wie werden die Insiderlisten in den Unternehmen genau geführt? Von den befragten Unternehmen setzen zwei Drittel auf eine Spezialsoftware wie den EQS Insider Manager, um mit Versionierungen und UTC-Zeitstempel rechtskonforme Insiderverzeichnisse zu erstellen. Die Alternative ist für 26 % eine Excel-Tabelle, die jedoch nur bei sehr kleinen Gesellschaften mit wenigen Insidern praktikabel ist.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Wie führen Sie Insiderlisten

    Dies trifft allerdings nur auf die wenigsten Gesellschaften zu – in unserer Umfrage führten nur 37 % zwischen einem und 20 Insider. Kaum noch möglich ohne digitale Lösung dürfte es bei 21 bis 50 Insidern (45 %), 50 bis 100 (11 %) oder gar 100 bis 500 Personen (8%) sein.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Anzahl Personen in Insiderlistenverzeichnis

    Von der Größe des Unternehmens und der Zahl der Insider dürfte es auch maßgeblich abhängen, wie hoch der organisatorische Aufwand für das Insider-Management ausfällt. In Deutschland sind ein (51 %), zwei (41 %) oder drei Personen (8 %) in diese Aufgabe eingebunden.

    Personenbezogene Daten: Unverständnis und Widerstand der Insider

    Permanente vs. projektbezogene Insider – das bleibt ein Dauer-Diskussionsthema. Hier stellt sich unverändert die Frage, ob es in Unternehmen tatsächlich Personen gibt, die Zugang zu allen Insiderinformationen haben – vor allem in einem dualistischen System mit Aufsichtsrat und Vorstand wie in Deutschland ist dies eher unwahrscheinlich. Dennoch führen immer noch 58 % der Emittenten permanente Insider – allerdings davon nur noch 4 % mehr als 20, bei unserer letzten Umfrage lag dieser Wert noch über 20 %. Bei der Hälfte sind höchstens 5 Personen als permanente Insider gekennzeichnet.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Permanente Insiderlisten

    Auch der Umgang mit Informationen, die noch keinen Insidertatbestand darstellen, aber dazu führen könnten, wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Immerhin 44 % der Emittenten führen hier sogenannte Schattenlisten. 38 % verzichten darauf – auch weil ihnen zu diesem Zeitpunkt die gesetzliche Grundlage fehlt, um personenbezogene Daten einzusammeln.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Schattenlisten

    Apropos personenbezogene Daten: 6 von 10 Emittenten gaben an, beim Abfragen der gesetzlich erforderlichen Informationen regelmäßig auf Widerstand bzw. Unverständnis zu stoßen.

    Ein erstaunliches Ergebnis der Umfrage ist, dass jeder fünfte Teilnehmer seit Inkrafttreten der MAR noch kein Insiderprojekt geführt hat. Bei 54 % waren es bis zu fünf Projekte, bei 22 % 6 bis 15 und bei 5 % 16 und mehr. Aktuell führen 58 % der Emittenten kein Projekt in einer Insiderliste; 16 % eins, 21 % zwei bis vier und 5 % mehr als vier.

    EQS Blog_MAR Umfrage 2019_Projekte seit Inkrafttreten der MAR

    Fazit

    Wir sind weiterhin von einer einheitlichen Umsetzung der MAR-Regelungen weit entfernt. Es wäre daher wünschenswert, wenn die BaFin hier möglichst schnell Hilfestellung leistet und für mehr Rechtssicherheit sorgt.


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    CTA Kommunikation mit Insidern automatisieren

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    Released:
    February 11, 2019
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    Updated:
    February 11, 2019