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    Studie: So nutzen Schweizer Unternehmen ihr Stimmrecht

    Die von Barbara Heller geführte SWIPRA, ein unabhängiger Schweizer Stimmrechtsberater, Zürich, hat die Ergebnisse der 4. Studie zur Entwicklung der Corporate Governance in der Schweiz veröffentlicht. Wichtigste Erkenntnis daraus: Ein Grossteil der Schweizer Investoren sieht in der Stimmrechtsausübung nur wenig Wert und nimmt nicht am direkten Austausch mit den Unternehmen teil. Dies im Gegensatz zu den internationalen Investoren, welche die Governance in börsenkotierten Schweizer Unternehmen zunehmend beeinflussen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie: Für die Mehrheit der Investoren stehen die Managementvergütungen weiterhin in keinem vernünftigen Verhältnis zur erbrachten Leistung. Weniger als ein Zehntel der befragten Kapitalgeber ist mit der Offenlegung der «Pay-for-Performance» zufrieden.

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    Barbara Heller, SWIRPA

    «Nur wer mitredet, kann bestimmen»

    Fast die Hälfte der befragten Schweizer Vermögensverwalter und drei Viertel der Schweizer Pensionskassen stehen nicht im direkten Austausch mit den börsenkotierten Unternehmen, an denen sie beteiligt sind. Im Gegensatz dazu suchen alle befragten internationalen Investoren den bilateralen Austausch mit den Unternehmen. Alexander Wagner, Professor am Swiss Finance Institute und der Universität Zürich sowie Stiftungsrat der SWIPRA, meint dazu: «Nur wer mitredet, kann mitbestimmen. Durch das grössere Engagement der internationalen Investoren wächst ihr Einfluss auf die Schweizer Unternehmen und deren Generalversammlungen.»

    Zweifel an der Wertschaffung

    Hinzu kommt, dass im Gegensatz zur grossen Mehrheit der ausländischen Investoren lediglich die Hälfte der Schweizer Vermögensverwalter und nicht mal ein Viertel der Pensionskassen ihre Stimmrechte mit der Überzeugung ausüben, dadurch in den Unternehmen Werte zu schaffen. Barbara Heller, Geschäftsführerin von SWIPRA, bemerkt dazu: «Der Vorschlag einer Abstimmungspflicht für Schweizer Vermögensverwalter ist vor diesem Hintergrund als kritisch zu beurteilen. Ein Stimmzwang birgt die Gefahr in sich, dass Investoren die Traktanden an den Generalversammlungen auf möglichst einfache Art und Weise beurteilen. Die gewünschte objektive Auseinandersetzung mit der langfristigen Wertschaffung und der jeweiligen Lage der Unternehmen könnte dadurch erst recht auf der Strecke bleiben.»

    Unverstandene Pay-for-Performance

    Für die Mehrheit der befragten Vermögensverwalter, Fondsgesellschaften und Pensionskassen steht die Vergütung des Managements von börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz in keinem vernünftigen Verhältnis zur ausgewiesenen Leistung. Beanstandet wird namentlich auch die ungenügende Kommunikation der Unternehmen rund um die Managerlöhne. Sowieso werden die angewandten Methoden der variablen Vergütungen zunehmend als viel zu komplex empfunden. Auch wird signalisiert, im Ausland seien die Informationen rund um «Pay-for-Performance» viel gehaltvoller als in der Schweiz. Die so gerügten Schweizer Unternehmen dagegen meinen, ihre Vergütungsberichterstattung sei ein Vorbild für das Ausland.

    «One Share One Vote»

    Eine knappe Mehrheit der befragten institutionellen Anleger ist der Meinung, der Schutz der Kleinaktionäre sei in der Schweiz zu gering. Die Unternehmen dagegen finden grossmehrheitlich, dieser Schutz sei klar angemessen.

    Zwei Drittel der befragten institutionellen Anleger glauben, Unternehmen ohne «One Share One Vote» gehörten nicht in einen Leitindex, zumal dann, wenn die frei handelbaren Aktien weniger als 50 Prozent der Stimmrechte vertreten. Die Unternehmen dagegen wollen in diesem Bereich keine Praxisänderung.

    Die Idee einer Loyalitätsdividende für längere Haltefristen stösst nur bei einer kleinen Minderheit der Investoren auf Zustimmung.

    Kommunikation zwischen Unternehmen und Aktionären gewinnt weiter an Bedeutung

    SWIPRA-Geschäftsführerin Barbara Heller zieht folgende Schlüsse aus der Corporate Governance Umfrage 2016: «Wir stellen fest, dass es bei wichtigen Themen der Corporate Governance und deren Offenlegungen in der Schweiz nach wie vor markante Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen Unternehmen und Investoren gibt. Der laufende Austausch und ein hoher Grad an Kommunikation zwischen den Unternehmen und ihren Aktionären gewinnen deshalb weiterhin an Bedeutung. Nur so können Unternehmen verhindern, dass sie nach zu starren Standards beurteilt werden.»

    Download der SWIPRA Corporate Governance Umfrage 2016.

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    Released:
    November 22, 2016
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    Updated:
    November 22, 2016