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    Scale-Umfrage: Ist der Mehrwert so viel mehr wert?

    „Scale“, das neue Börsensegment für kleine und mittlere Unternehmen, soll neue Maßstäbe setzen. Die strengen Anforderungen an Transparenz, Qualität und Vergleichbarkeit haben jedoch ihren Preis. Sind die Kosten angemessen? Bieten die neuen Pflichten einen entsprechenden Mehrwert? Die Meinungen gehen auseinander. Das zeigt unsere Umfrage, an der sich 55 Unternehmen aus dem Freiverkehr beteiligt haben.

    Hohe Erwartungen der Scale-Mitglieder

    Die Erwartungen an die neue Plattform sind durchaus hoch – zumindest bei den Emittenten, die sich für ein „Scale“-Listing entschieden haben (38% der Umfrage-Teilnehmer).

    Die höheren Transparenz- und Qualitätsanforderungen sollen sich schließlich auch auszahlen: „Wir bewegen uns in einem qualitativ hochwertigen Börsenumfeld, das zu einer höheren Wahrnehmung unserer Aktie und unseres Unternehmens führen sollte“, so eine der Aussagen. Andere Teilnehmer versprechen sich ein „größeres Investoreninteresse, vor allem aus dem Ausland“. Die gegenüber einem Listing im Entry Standard deutlich gestiegenen Kosten könnten sich dann auch schnell amortisieren.

    Mehr Transparenz durch Informationsstandards

    Die Unternehmen im „Scale“ fühlen sich gut (55%) bis sehr gut (39 %) auf das Listing in dem neuen Segment vorbereitet. Die Einbeziehungsvoraussetzungen und Zulassungsfolgepflichten bereiten ihnen entsprechend auch kaum Kopfzerbrechen, diese halten 65% (Einbeziehungsvoraussetzungen) bzw. 83% (Zulassungsfolgepflichten) für angemessen. Nur 17% bzw. 11% bewerten deren Erfüllung als anspruchsvoll.

    Die neuen Anforderungen werden sogar überwiegend begrüßt: „Wenn über das Segment bestimmte Mindestanforderungen und Informationsstandards für Unternehmen eingeführt werden, hilft dies die Transparenz zu steigern und den Investoren das Unternehmen zu beurteilen“, erklärt ein Teilnehmer.

    Geteilte Meinung über Capital Market Partner

    Der Aussage, dass die von der Deutschen Börse in Auftrag gegebenen unabhängigen Research-Reports zu mehr Transparenz führen, stimmen 39% der Befragten zu. Nur 22% stimmen „eher nicht zu“. Ohnehin betreten die meisten Scale-Mitglieder hier kein Neuland: Über rund 90% dieser Unternehmen wurden bereits zuvor Research-Reports verfasst.

    Sehr geteilt ist jedoch die Meinung, wenn nach der Betreuung durch einen Capital Market Partner gefragt wird: Nur knapp ein Drittel der Umfrageteilnehmer verspricht sich hier Vorteile. Dagegen sehen nahezu 45% keine oder kaum Vorteile.

    Zu den Transparenzstandards im „Scale“-Segment gehört auch eine jährliche Analystenkonferenz. Diese Pflicht wollen knapp 60% durch die Teilnahme an einer Konferenz erfüllen, fast ein Viertel plant eine Telefonkonferenz bzw. einen Webcast.

    Kaum „Scale“-Ambitionen bei Emittenten im Basic Board

    Geplanter Wechsel zum Scale Segment?

    Geplanter Wechsel zum Scale Segment?

    Wesentlich zurückhaltender zu „Scale“ äußern sich die Unternehmen aus dem Basic Board (45 Prozent der Umfrageteilnehmer) und dem Quotation Board (17 Prozent).

    Gerade einmal 14% der Befragten gaben an, den Wechsel in das stärker regulierte Segment in Betracht zu ziehen. 71% der Unternehmen haben keine „Scale“-Ambitionen; aus dem Quotation Board sogar kein einziges. So dürfen die Verantwortlichen der Deutschen Börse vorerst nicht auf allzu großen Zuwachs aus dem Basic Board hoffen.

    Dafür gibt es natürlich teilweise faktische Gründe: So können einige Emittenten schlicht und einfach die Einbeziehungsvoraussetzungen nicht erfüllen.

    Kritik: Anforderungen kein Qualitätskriterium

    Viel häufiger werden jedoch die wesentlich höheren Kosten angeführt, wenn die Unternehmen ihr „Nein“ zu „Scale“ begründen: „Durch das Pflichtresearch entstehen Mehraufwand und hohe Fixkosten, die jedoch zu keinem Mehrwert führen“, so der Tenor vieler Teilnehmer. Einige bemängeln zudem die fehlende Weiterentwicklung im Vergleich zum Entry Standard und erkennen keine Vorteile gegenüber einem Listing im Basic Board.

    Sogar die Emittenten aus dem Basic Board, die einen Wechsel ins „Scale“-Segment planen, sehen nur einen sehr geringen (17%) bzw. geringen (66%) Mehrwert gegenüber dem Entry Standard. Die Zulassungsfolgepflichten halten 80% für angemessen; die Einbeziehungsvoraussetzungen jedoch nur rund die Hälfte. Letztere scheinen eine größere Herausforderung zu sein, denn sie werden von einem Drittel der Unternehmen als anspruchsvoll oder sogar zu anspruchsvoll bewertet.

    Mehrwert des Scale Segments gegenüber dem Entry Standard

    Mehrwert des Scale Segments gegenüber dem Entry Standard

    Fazit

    Der Entry Standard ist Geschichte. Die Umfrage bei den Aktien- und Anleiheemittenten aus dem Freiverkehr zeigt jedoch, dass viele dem Nachfolger „Scale“ noch skeptisch gegenüber stehen. In der Praxis muss sich nun erweisen, ob das neue Börsensegment seinem Qualitätsanspruch gerecht wird.

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    Released:
    April 10, 2017
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    Updated:
    April 10, 2017