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Wir stellen Ihnen monatlich die aktuellsten und spannendsten Web-Beiträge zu den Themen Investor Relations und Compliance zusammen.
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    Investor Relations in Zeiten von Corona: Auswirkungen auf HVs & Co

    Regeln, Maßnahmen und neue Denkansätze

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    Das Coronavirus breitet sich in Europa immer schneller aus. Die Zahl der Neuinfektionen ist in den letzten Tagen rasant gestiegen – an den Aktienmärkten bricht zeitweise Panik aus und auch die Verunsicherung in der Bevölkerung wächst. Die Angst vor einer weiteren Verbreitung des Virus führt dazu, dass nun auch in Deutschland immer mehr Notfallmaßnahmen ergriffen werden.

    Das führt dazu, dass Messen und Konferenzen abgesagt werden. Immer mehr Unternehmen schränken auch Dienstreisen ein oder verbieten sie sogar gänzlich, schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice oder in Selbstquarantäne. Denn ein „Coronavirusfall in der eigenen Belegschaft ist ein Albtraum für einen Konzern“ und kann trotz aller Vorsicht nicht ausgeschlossen werden, wie der aktuelle Fall der Hypovereinsbank in München zeigt. Über die Notfallpläne bei Hypovereinsbank, Volkswagen, Tui & Co berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrem Artikel „Quarantäne“

    Home-Office in Zeiten des Coronavirus

    Alternative Arbeitsformen wie Home-Office und Mobile Work erleben Hochkonjunktur – und sollen dazu beitragen, das Infektionsrisiko unter den Mitarbeitern zu minimieren. Doch die Verantwortlichen in den Führungsetagen müssen dabei nicht nur sicherstellen, dass die Leistungsfähigkeit des Unternehmens gewährleistet ist. Die IHK München und Oberbayern informiert, wann Sie ihre Mitarbeiter ins Home-Office schicken können, welche Regeln gelten und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen.

    Fristen und Folgen einer HV-Verschiebung

    Vor einer großen Herausforderung stehen derzeit die Investor-Relations-Abteilungen, denn es läuft die Geschäftsberichtszeit, in der bei den börsennotierten Gesellschaften die Veröffentlichung der Jahreszahlen ansteht. Außerdem müssen die Hauptversammlungen vorbereitet werden. Während bei einer Bilanzpressekonferenz eine Übertragung ins Internet ohne begleitende Präsenzveranstaltung möglich ist, besteht diese Möglichkeit bei einer Hauptversammlung (noch) nicht.

    Zu den Aktionärstreffen der großen Dax-Konzerne, die zwischen Ende März und Ende Mai anstehen, kamen in der Vergangenheit teilweise mehrere tausend Menschen. Ob diese Großveranstaltungen, denen eine gesetzliche Verpflichtung zugrunde liegt, angesichts der Ausbreitung des Coronavirus wie geplant stattfinden können, kann derzeit noch niemand beantworten denn Bundesgesundheitsminister Spahn und Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, erhöhten zuletzt den Druck auf Veranstalter und lokale Gesundheitsbehörden, Zusammenkünfte mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen.

    Welche Folgen eine Verschiebung einer Hauptversammlung hätte, welche Fristen eingehalten werden müssten, erklärt „Börse Online“ – und berichtet in dem Artikel „Hauptversammlungen in Zeiten der Corona-Krise“ über eine Vorschlag von Christoph Seibt von der Anwaltskanzlei Freshfields, wie eine HV mit vielen Besuchern organisiert werden könnte.


    Update 27. März 2020: HVs jetzt auch virtuell möglich

    Die Bundesregierung erlaubt nun Unternehmen aufgrund von COVID-19, auch rein virtuelle Aktionärstreffen abzuhalten. Was Sie jetzt wissen sollten, haben wir im Blogartikel "Sonderregelungen für Online-Hauptversammlungen in Corona-Zeiten" für Sie zusammengefasst.


     

    Kein Gedränge am Buffet

    Vielleicht ist nun aber auch die Zeit gekommen für neue Denkansätze. Dr. Carola Rinker sieht angesichts der Corona-Krise die Chance, die Digitalisierung der Hauptversammlung zu beschleunigen. So regt die Unternehmensberaterin im NWB Experten-Blog unter anderem an, dass Unternehmen ihren Aktionären die Möglichkeit geben sollten, online abzustimmen. Das könnte ihrer Ansicht nach auch dazu führen, dass sich durch die Anzahl der abgegebenen Stimmen erhöht und sich vielleicht mehr Aktionäre für das Unternehmen interessieren. Und einen weiteren – natürlich nicht ganz ernstgemeinter – Effekt nennt die Expertin: das Gedränge am Buffet wäre nicht mehr so groß.

    Aktienrecht bietet Optionen für ortsferne Teilnahme

    „Vielleicht gibt Corona den Anstoß, neue Wege zu beschreiten“, erklärt auch Professor Dr. Dirk Zetzsche, Inhaber des ADA Lehrstuhls für Finanzmarktrecht an der Universität Luxemburg, mit Blick auf die bevorstehende Hauptversammlungssaison. Jeder Verantwortliche eines größeren Unternehmens habe, so erklärt er im Interview mit dem Handelsblatt, bereits Planspiele im Hinterkopf, wie man eine ortsferne Teilnahme ermöglichen könne, denn es gehe darum, alles zu tun, um Aktionäre und Mitarbeiter zu schützen.

    Zwar erlaube das Aktienrecht es derzeit nicht, gänzlich auf eine Präsenzversammlung zu verzichten. Aber eine zugeschaltete Internet-Teilnahme sei auf drei Wegen möglich: per Internet-Stimmrechtsvertretung, Briefwahl und Internet-Direktteilnahme. Dies gehe allerdings nur, wenn die Emittenten auch die aktienrechtlich eingeräumten Möglichkeiten in einem Umfang anbieten, der qualitativ einer Teilnahme vor Ort entspreche.

    Die Unternehmen sollten auf jeden Fall alles tun, um einen ordnungsgemäßen Ablauf des Aktionärstreffen zu gewährleisten – denn andernfalls kann es teuer werden. Der unmittelbare Schaden durch eine HV-Verschiebung könne sich, so Aktienrechtsexperte Zetzsche, auf bis zu zehn Millionen Euro bei den größten Emittenten mit vielen hunderttausend Aktionären belaufen.

    Vorgaben der ESMA

    Auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtbehörde (ESMA) beobachtet zusammen mit den zuständigen nationalen Behörden die Auswirkungen von COVID-19 auf den Finanzmarkt. Die ESMA empfiehlt Finanzmarktteilnehmern unter anderem, Notfallpläne einzurichten, um die Aufrechterhaltung des Betriebs gemäß den regulatorischen Verpflichtungen gewährleisten zu können. Zudem weist die Behörde auf die Transparenzverpflichtung gemäß der Marktmissbrauchsverordnung hin und fordert die Emittenten auf, die tatsächlichen und möglichen Auswirkungen von COVID-19 in den Finanzbericht 2019 aufzunehmen. Hier geht's zum kompletten ESMA-Statement.

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    Released:
    March 11, 2020
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    Updated:
    March 11, 2020