Auf einen Blick:
• MiFID II stellt Investoren und Emittenten vor neue Herausforderungen.
• Small und Mid Caps müssen seit 2018 neue Wege des Investor Targetings gehen.
• Ganzheitliche Softwarelösungen sind für eine effiziente Investorenansprache unabdingbar.


Die Investor-Relations-Arbeit ist durch die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II erheblich komplexer, umfangreicher und teilweise auch kostspieliger geworden. IR-Manager sehen sich damit vor neue Herausforderungen gestellt.

Schon bislang war es für Small & Mid Caps nicht einfach, qualifizierten Zugang zu Investoren zu erhalten. Nunmehr droht ein Szenario, bei dem diese Emittenten gänzlich aus dem Blickfeld der großen institutionellen Investoren verschwinden. Fonds, Vermögensverwalter und andere Investmentgesellschaften sind gemäß der neuen Richtlinie nun verpflichtet, die Aufwendungen für Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Handel von Wertpapieren von den Aufwendungen für sonstige wertpapierbezogene Leistungen zu trennen. Unter die sonstigen Leistungen fallen vor allem die Angebote von Banken und Brokern im Zusammenhang mit der Zurverfügungstellung von Aktien-Research und Corporate Access. Roadshows oder Konferenzen müssen also extra bepreist werden und dürfen nicht als Bestandteil einer Paketlösung „versteckt“ werden.

Während die Blue Chips in den großen nationalen und internationalen Indizes weiter im Fokus der überwiegenden Mehrheit der Investoren und Analysten bleiben dürften, zeichnet es sich bereits in den ersten Monaten seit Inkrafttreten von MiFID II ab, dass die Bereitschaft der institutionellen Investoren abnimmt, Research-Angebote und Corporate Access für geringer kapitalisierte Titel nachzufragen und zu bezahlen.

Auf dem Radar der Investoren bleiben

Damit geraten die Prozesse der kleineren Unternehmen erheblich unter Druck. Sie stehen vor der Wahl: Setzen sie bei der Investorenansprache weiter auf die Dienstleistungen von Brokern und Research-Häusern, dann müssen sie diese auch bezahlen; oder versuchen sie, die zusätzlichen Aufgaben intern aufzufangen. Die erste Lösung strapaziert die ohnehin knappen IR-Budgets erheblich; die zweite Alternative bringt die Unternehmensorganisation an ihre Grenzen, denn im Small-Cap-Segment sind die IR-Manager häufig Einzelkämpfer. Nicht selten werden die IR-Aktivitäten auch vom Vorstand mit übernommen.

Vom Radar der großen Investoren zu verschwinden, kann die Gesellschaften jedoch noch teurer zu stehen kommen. Denn nur eine entsprechende Wahrnehmung am Kapitalmarkt ermöglicht eine faire Unternehmensbewertung und eine ausreichende Liquidität in der Aktie.

Die IR-Verantwortlichen müssen deshalb sicherstellen, dass das Informationsbedürfnis der Investoren befriedigt wird. Neben der vermehrten Beauftragung des bislang noch immer schlecht beleumundeten Auftragsresearch dürfte das dazu führen, dass der direkte Investorenkontakt eine immer wichtigere Rolle spielt. Denn Broker können bei der Kontaktanbahnung in der Regel auch nicht mehr im gewohnten Umfang helfen, da deren Kundenlisten im Zuge von MiFID II deutlich kürzer geworden sind.

IR-Ökosystem mit globalen Investorendaten

Ohne eine Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse lassen sich diese komplexen Herausforderungen für die Emittenten jedoch kaum effizient meistern. Während die Blue Chips zum Teil seit mehreren Jahren über Insellösungen verfügen, betreten die Small & Mid Caps hier zumeist Neuland. Für sie gilt es nun, die bestehenden ganzheitlichen Lösungen, die bei der Erfüllung von Meldepflichten und Kontaktmanagement bereits Standard in den Investor Relations sind, entsprechend aufzubohren und zu erweitern: Beispielsweise durch Prozesse zur Identifikation und Analyse von potenziellen und bestehenden Investoren, zur Kommunikation und Interaktion mit den Kapitalmarktteilnehmern und zum Monitoring der IR-Aktivitäten.

Durch die Verknüpfung der Plattform mit einer Investorendatenbank, dem unternehmenseigenen CRM-System und – wenn vorhanden – dem Aktienregister steht den IR-Verantwortlichen ihr individuelles Ökosystem zur Verfügung, das die Basis für eine zielgenaue Investorenansprache bildet.

Die Qualität dieses Ökosystems bemisst sich dabei an 3 wesentlichen Faktoren:

  • Funktionalität/Usability: Hier gilt es auf ein System zu setzen, das einfach handhabbar ist und auch von unterwegs alle wesentlichen Informationen liefert. Durch eine schnelle Datenauswertung und Daten-Exegese ist es den IR-Verantwortlichen außerdem möglich, sich auf anstehende One-on-Ones und Konferenzen effizient vorzubereiten und dem Management ggf. eine Zusammenfassung an die Hand zu geben.
  • Aktualität: Die Analyse der bestehenden Investoren, die Suche nach weiteren Investoren oder auch die Peergroup-Analyse kann nur hochwertige Ergebnisse liefern, wenn die Datenqualität (Internationalität, Aktualität) stimmt. Insofern liegt der Schlüssel für erfolgsversprechende Investor Relations in einer Kombination aus guten externen Daten und einer kontinuierlichen Pflege des Datenbestandes (u. a. Meeting-Protokolle, Gesprächsnotizen, Share-IDs).
  • Granularität: Durch die automatische Verknüpfung der sonstigen IR-Aktivitäten (Versand von Kapitalmarktmeldungen, Kontaktmanagementsystem) mit den Funktionen zur Investorenpflege und -suche kristallisiert sich der Mehrwert für IR-Manager deutlich heraus.

Das Ziel eines solchen Ökosystems sollte es sein, einen Überblick über alle relevanten Aktivitäten mit dem jeweiligen (potenziellen) Investor oder Analysten zu liefern.

Der Aufbau eines Ökosystems für IR-Manager, das auch das Investor Targeting und die Pflege der Kontakte unterstützt, ist kein Projekt, das von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Small & Mid Caps sollten es möglichst schnell in Angriff nehmen, umso eher sind sie für die Herausforderungen, die MiFID II mit sich bringt, gewappnet.


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Dieser Artikel erschien zuerst im Going Public Magazin.