Schon vor meinem Start bei der Tensid EQS AG (Schweizer Tochtergesellschaft der EQS Group) beschäftigte ich mich intensiv mit digitalen Veränderungen im IR-Bereich. In Kooperation mit dem IR club Schweiz und der Hochschule für Wirtschaft Zürich habe ich im Frühling 2017 im Rahmen meiner Masterarbeit die Studie „Die Investor Relations im digitalen Fitness-Check“ durchgeführt und den digitalen Wandel in der Finanzkommunikation börsenkotierter Unternehmen in der Schweiz untersucht.

Die Studie hat etliche strategische, strukturelle und kulturelle Herausforderungen identifiziert. Die Grafik zeigt, welchen Herausforderungen sich (Schweizer) IR- Manager in Zeiten des digitalen Wandels aktuell stellen:

Was bedeutet dies für die Arbeit von Finanzkommunikatoren? Aus den Herausforderungen lassen sich fünf Handlungsempfehlungen ableiten:

1. Ohne Strategie geht es nicht

Digitale Investor Relations brauchen einen klaren, zukunftsorientierten Plan. Wir konnten bei unserer empirischen Untersuchung vier Kernpunkte des Planungsprozesses identifizieren:

  • Detaillierte Situationsanalyse
  • Bestimmung messbarer und zeitlich klar definierbarer Ziele
  • Intensive Auseinandersetzung mit der Financial Community
  • Abstimmung des Projekts mit der IR-Strategie

Ein verbindlicher Zeit- und Kostenplan, ausgefeilte Maßnahmen für eine wirksame digitale Informationsvermittlung und darauf abgestimmte KPIs sollten ebenfalls Bestandteile eines strategischen Ansatzes sein.

2. Ohne Ressourcen erst recht nicht

Personelle, zeitliche und finanzielle Engpässe verhindern oft eine gründliche und weitsichtige Auseinandersetzung mit dem digitalen Wandel. Deshalb ist es für IR-Manager besonders wichtig, Entscheidungsträgern die Dringlichkeit und die Relevanz digitaler Technologien sowie deren Einfluss auf die IR näher zu bringen. Um sich in diesem Kontext die notwendigen Ressourcen für die Initiierung und Durchführung digitaler Projekte zu sichern, hilft das anschauliche Aufzeigen von Chancen und Potenzialen einer digitalisierten Finanzkommunikation: Nur die digitale Investor Relations schafft es, effizient und kostengünstig unter Vermeidung unnötiger Streuverluste sekundenschnell sowie aktuell an die Finanzöffentlichkeit zu kommunizieren und mit ihr ortsunabhängig und simultan in einen Dialog zu treten.

3. Eine solide Basis muss her

Finanzkommunikatoren sollten heutzutage fundiertes digitales Know-how und Erfahrung mitbringen, um auch unter Zeitdruck mit unsicheren Rahmenbedingungen fachkompetente Entscheidungen fällen zu können. Zur Grundlagenbildung gehören auch die Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten sowie die Wahl relevanter Schlüsseltechnologien. Kernprozesse, wie der Versand von Unternehmensmitteilungen sollte regelmäßig auf Verbesserungspotenzial durch digitale, automatisierte Technologien überprüft werden. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich relevante Maßnahmen ableiten.

4. Innovationen sollten sich an Nutzern orientieren

Erst wenn eine solide Basis an Fachwissen steht, können größere Herausforderungen gemeistert werden. Dazu zählt die Realisierung digitaler Innovationen. Um sicherzustellen, dass digitale Initiativen die „wahren“ Nutzerbedürfnisse abdecken, lohnt es sich, relevante Anspruchsgruppen systematisch in Innovationsprozesse mit einzubeziehen. Mittels deren Befragung bzw. der Analyse digitaler Kundendaten können Erkenntnisse über Verbesserungsvorschläge gewonnen werden, die wiederum in das Design von neuen IR-Tools einfließen. Die Erfüllung der Bedürfnisse der Financial Community ist auch in der digitalen Welt der beste Weg, um die Relevanz des eigenen Kommunikationsangebotes zu steigern.

5. Mit den richtigen Tools ans Ziel

Modern agierende IR-Abteilungen glänzen nicht nur mit umfassendem Know-how über cloudbasierte Technologien sowie einer zielführenden Umsetzung von innovativen IR-Projekten. Sie passen auch ihre Tools den neuen Gegebenheiten an, die durch die Innovationsgeschwindigkeit geschaffen worden sind. Eine offene Fehlerkultur und die Bereitschaft, abschätzbare und für die IR vertretbare Risiken einzugehen, woraus Finanzkommunikatoren zweifelsohne einen Lernerfolg mitnehmen können, sind dabei auch in der IR wichtig für den digitalen Fortschritt . Die Digitalisierung birgt für die Finanzkommunikation ein großes Potenzial. Wichtig ist hier, das hat unsere Untersuchung ergeben, dass zukunftsgerichtet und mutig agiert wird und geeignete Plattformen und Tools für ein modernes IR-Setup genutzt werden. Eine nutzwertorientierte Anwendung und gezielte Verknüpfung mit bestehenden Kanälen muss immer Anspruch der IR sein, um Authentizität, Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit in der Finanzkommunikation zu gewährleisten.

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