Nachhaltigkeit nervt, finden viele. Kaum ein IR-Verantwortlicher, der sich gerne den fünfhundertsten Vortrag zu Sustainability, ESG, CSR, SRI und so weiter anhören mag. Bisher konnten IRler das Thema immerhin noch kleinhalten – aber jetzt schlägt der Gesetzgeber zu. Nachhaltigkeit ist künftig nicht mehr nervig, sondern verpflichtend.

Ab sofort ist nämlich die CSR-Richtlinie wirksam. Sie schreibt börsennotierten Unternehmen vor, zu verschiedensten nichtfinanziellen Aspekten eine Erklärung abzugeben. Betroffen sind kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungen mit jeweils mehr als 500 Mitarbeitern.

Und viele dieser Unternehmen ächzen jetzt: Wie sollen wir das stemmen? Wie sollen wir die nötigen Informationen beschaffen? Und wen interessiert es überhaupt, was wir zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen haben? Und: Bringt das denn was?

Hier sind 5 Antworten:

1) Nachhaltigkeit reduziert Risiken

Investoren wollen Risiken minimieren. Gerade bei produzierenden Unternehmen, Energieversorgern und ähnlichen können Nachhaltigkeit und die transparente Kommunikation darüber die Risiken eines Investments stark reduzieren. Greenpeace-Demos, Boykott-Aufrufe, Atommüll-Lasten – solche Dinge will kein Asset Manager über seine Investments lesen. Neben dem tatsächlichen nachhaltigen Handeln ist auch die transparente Kommunikation darüber essenziell. Denn wenn der Investor nicht weiß, ob das Unternehmen nachhaltig handelt oder nicht, bleibt die Unsicherheit bestehen.

Weniger Risiko für den Investor bedeutet, dass sich der Investor mit einer geringeren Risikoprämie zufrieden gibt. Ratings können sich verbessern, Kapitalkosten sinken. Geringere Kapitalkosten führen zu mehr Gewinn, der im Unternehmen verbleibt. Nachhaltigkeit und die Kommunikation darüber kosten natürlich auch, können aber in Summe den Unternehmenswert steigern.

2) Nachhaltigkeit erschließt neue Zielgruppen

Spezialisierte ESG-Investoren, Nachhaltigkeits-Analysten, Ökofonds: Das nachhaltige Investment gewinnt an Bedeutung. Für Unternehmen, die sich hier bisher noch nicht entsprechend positioniert haben, ist das eine gewaltige Chance. Mit nachhaltigem Handeln und vernünftiger Kommunikation darüber können sie bei diesen Zielgruppen auf sich aufmerksam machen. Unternehmen können so neue Investoren gewinnen, die diese vorher gar nicht auf dem Schirm hatten – oder nicht in sie investieren durften, weil die entsprechenden Nachhaltigkeitskriterien oder Informationsanforderungen nicht erfüllt wurden.

3) Nachhaltigkeit schafft ein positives Image

Ein grünes und soziales Image steht jedem gut. Wenn Mitarbeiter zufrieden sind, positiv über das Unternehmen sprechen, keine Skandale auftauchen, schafft das Vertrauen. Vertrauen und ein positives Image belohnen auch Analysten und Investoren. Es ist unter anderem die Aufgabe von IR, dieses Image zu schärfen und die entsprechenden Botschaften den Investoren und Analysten zu vermitteln.

4) Nachhaltigkeit wird nachgefragt

Wie stellen Sie faire Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern sicher? Wie wird die Einhaltung von Umweltstandards kontrolliert? Investoren und Analysten stellen solche Fragen, und Unternehmen sollten Antworten darauf parat haben. Für IR bedeutet das: Informationen beschaffen, Vorstände briefen und für soziale und ökologische Themen sensibilisieren. Das kann mühsam sein, wird letztlich aber am Kapitalmarkt belohnt.

5) Nachhaltigkeit ist psychologisch wichtig

Der Mensch ist ein soziales Wesen, und jeder Mensch tut gern Gutes. Sich Aktien vom Windanlagenbauer ins Depot zu legen, fühlt sich besser an, als Aktien von Tabak- und Rüstungs-Konzernen. Börse ist auch Psychologie, da können Investoren und Analysten noch so sehr auf Bewertungsmodelle und Kennzahlen pochen. Für den Privatanleger sowieso, aber auch „die Großen“ lassen sich neben aller Rationalität auch vom Gefühl leiten. Deshalb ist Marketing wichtig, und deshalb ist auch ein ökologisch-soziales Image wichtig.

Diese 5 Punkte zeigen: Nachhaltigkeit ist längst kein weiches Thema mehr. Es bewegt Kurse und Assets in Milliardenhöhe. Unternehmen sollten die CSR-Richtlinie daher nicht nur als ein nerviges Gebot betrachten, sondern als echte Chance. Professionelle Kommunikation über Nachhaltigkeit ist essentiell – und lohnt sich.